Seit Ostern 2018 verfügt die Christuskirche über zwei wertvolle historische Orgeln. Nachdem auf der Südempore die 1903 erbaute Walcker-Orgel 2011 ihre originale Klanggestalt wiederbekommen hat, ist nun ein zweites historisches Instrument hinzugekommen: In dem Bemühen, Liturgie und Kirchenmusik stilistisch noch vielfältiger gestalten zu können, entstand im altarnahen Bereich der Westempore ein neuer Platz für gottesdienstliche und konzertante Musik. Mit der Krämer-Orgel von 1790 steht hier nun ein spätbarockes Instrument, das die klanglichen und liturgischen Möglichkeiten in der Christuskirche enorm erweitert. Als helleres Gegenüber und stilistische Ergänzung zur Walcker-Orgel bringt die neue Orgel ihre ganz eigene Farbe in Gottesdienst und Konzert und ermöglicht spannende Dialoge.

Die zweimanualige Krämer-Orgel wurde 1790 für die Ladenburger St. Gallus-Kirche erbaut. 1865 kam sie in die dortige St. Sebastianskapelle, wo sie bis in die 1960er Jahre und – nach einer Umarbeitung – von 1982 bis 2008 wieder gespielt wurde. Nach der Schließung und Entwidmung der Kapelle hat das Instrument nun in der Christuskirche eine neue Heimat gefunden.

Sein Erbauer, der in Handschuhsheim geborene Johann Andreas Krämer (1730-1799) war vom elsässischen Orgelbau Johann Andreas Silbermanns beeinflusst und prägte als Mannheimer „Hoforgelmacher“ seinen eigenen kurpfälzischen Orgelstil, der von seinem Schüler und Schwiegersohn Joseph Anton Overmann und dessen Söhnen weiterentwickelt wurde. Krämers wenige erhaltene Instrumente sind von immens hoher handwerklicher und klanglicher Qualität und zeigen eine eigene, deutlich von den klanglichen Idealen der „Mannheimer Schule“ beeinflusste Stilistik, in der sich die bereits Orgelbau-Entwicklungen des 19. Jahrhunderts (terassendynamisches Konzept, Zunahme von 8’-Grundstimmen) andeuten.

Unser Instrument mit seiner weitgehend originalen Substanz – Hauptgehäuse, Schleifladen, Manualklaviaturen, Registerzüge und 85% des Pfeifenmaterials stammen noch von Krämer – zeugt davon: Aufgeteilt in ein großzügig ausgestattetes Hauptwerk und ein deutlich leiseres Echowerk finden sich unter seinen 18 Registern immerhin sechs 8’-Register, darunter mit der Gambe und dem Salicional zwei barock intonierte Streicherstimmen. Als elsässisch-französische Zutat kann man das prachtvoll-farbige Kornett und die kraftvolle Trompete auf dem 1. Manual ansehen.

Mit ihrer hellen und klar zeichnenden Intonation ist die Krämer-Orgel ein bedeutendes Zeugnis für den kurpfälzischen Orgelbau des späten 18. Jahrhunderts, in dem sich barocke Farbigkeit mit kantabler Wärme verbinden. Leicht ungleichschwebend gestimmt (Valotti) eignet sich das Instrument für das Orgelrepertoire vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert, insbesondere auch für die Werke Johann Sebastian Bachs.

2017 wurde die Krämer-Orgel von der Heidelberger Christusgemeinde erworben und von der Orgelbaufirma Andreas J. Schiegnitz im Februar und März 2018 in Ladenburg ab- und in der Christuskirche wiederaufgebaut. Sie wird am Ostersonntag 2018 eingeweiht und in Zukunft sonntags im Gottesdienst sowie regelmäßig in Konzerten zu hören sein.

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